Blogarchiv

Endless Trouble, Endless Pleasure
September 4th, 2011

Erst am Morgen wird das ganze Ausmass des nächtlichen Gemetzels fassbar. Überall liegen abgetrennte Gliedmassen verstreut, Beine, halbe Körper und Hüllen derer – aber von den Tätern keine Spur. Sie haben sich zurückgezogen, schlagen nur im Schutz und dem Angebot der Dunkelheit zu. Willkommen in Keetmanshoop, einer Kleinstadt in der weiten Steppe Namibias, dem ehemaligen [...]

Auf in die Oase
April 16th, 2011

So eine Oase ist ein merkwürdig Ding. Zwischen hohen Dünen aus feinstem Sand gelegen, ein lebensfroher Ort in einer lebensmüden Umwelt. Man kann die Tische immer abwischen, Sand findet sich überall und zu jeder Zeit. Ein Lüftchen genügt und die Arbeit kann von Vorne beginnen. Wen wundert es, dass die Menschen in der Oase Huacachina [...]

„Reisen in Europa ist gefährlich“
March 12th, 2011

Das Wattestäbchen steckte exakt waagrecht zur Erdoberfläche in seinem Ohr. Zwei Drittel gab die linke Hörmuschel davon Preis. Der Rest schien seltsam haltbar fixiert, angesteckt, wie eine Brosche. Der Fahrer nahm das Utensil nicht heraus. Nicht vor der Fahrt, und nicht während der Fahrt durch den strömenden Regen auf der Pritsche des Pick-Up zurück nach Tena, [...]

Höchste Zeit für ein Intermezzo…II
February 13th, 2011

Die Welt schaut nach Afrika. Welch ein Tag, dieser 11. Februar 2011, an dem das ägyptische Volk seinen Herrscher aus dem Amt gedrängt hat.
Als ich vor einigen Jahren durch die Strassen von Kairo lief, fragte mich ein Passant, warum ich nicht lächle. Schliesslich sei ich im Land des Lächelns. Jetzt lacht und feiert ganz Ägypten [...]

Viele Gesichter
January 10th, 2011

„Es ist dieser langsam schleifende Schritt, wie man ihn nur mit Flip Flops, diesen Schlappen hinbekommt, ohne die sich die Welt nicht mehr drehen würde. Bei jeder Bewegung kann man den inneren Widerstand dagegen förmlich spüren“.
Was Franz auf den Punkt bringt, kann man nicht nur in Kolumbien erleben, aber auch. Der Ethnologe ist vor über [...]

Das Hängemattenkarussell
December 4th, 2010

Das Bild täuscht. Obwohl überlebensgross, muss man Fahrräder in Panama mit der Lupe suchen. Zumal in der Hauptstadt Panama-City. Dort geht man auch nicht zu Fuss, zumindest nicht, wenn man nicht muss. Man fährt mit dem Auto. Auch in die Bar Habibi’s mitten in der City und trinkt Mineralwasser von den Fiji-Inseln. Aber nicht deshalb ist [...]

Zeit für ein Intermezzo…I
November 4th, 2010

Mehr als die Hälfte meiner vorgesehenen Reisezeit ist schon vorüber. Einen Teil meiner Weltstudienreise muss ich mangels Zeit verschieben. Ich bin einfach zu langsam unterwegs, und das ist gut so. Nach Südamerika werde ich noch Süd-Ost-Afrika besuchen und mich dann auf den Rückweg bis Anfang Mai machen. Acht Blogs über verschiedene Orte sind inzwischen online. [...]

Abstecher Abendteuerspielplatz
October 23rd, 2010

In San Jose lernt man sich wenn, dann im Casino kennen. Das Del Rey ist ein solcher Ort. Hotel, Restaurant, Tanzbar und das Epizentrum der Kontaktaufnahme zwischen den Geschlechtern in der Hauptstadt Costa Ricas. Gespielt wird auch.
Das Hotel hat viele Gäste. Manche für eine Stunde, andere suchen länger. Sandra stammt aus der Dominikanischen Republik und [...]

Gute Wasser, schlechte Wasser
September 20th, 2010

In San Juan del Norte sät und erntet niemand. Trotzdem haben alle genügend zu essen, und trinken gerne und viel Bier. Diese biblischen Zustände verdankt die kleine Stadt am südöstlichen Zipfel Nicaraguas seiner besonderen Lage: Das Kokain aus Kolumbien kommt hier an.
Der dicke Melvin verteilt an so manchem Abend kleine Plastiktütchen, deren eine Ecke mit [...]

Ident? No.
September 6th, 2010

Nach einer halben Stunde Fahrt ist es soweit. Unser Bus wird von einem Auto überholt. Dann dauert es wieder etwas, bis uns ein Weiteres entgegenkommt. Wir befinden uns auf der wichtigsten, weil einzigen Autobahn stadtauswärts der Zwei-Millionen-Metropole Havanna und fahren in den Abend hinein.
Am nächsten Vormittag erreichen wir die Endstation Baracoa. Hier, ganz im Osten [...]

Die Revolution oder das Wesen des Federkerns
July 22nd, 2010

Mit einem „Pssscht“ und dem rechten Zeigefinder vor seinem Mund antwortet Alexej auf die Frage, was wohl nach dem Tod von Fidel Castro mit Kuba geschehen wird. Es sei besser für Leute wie ihn, auf solche Fragen nicht zu antworten in der Hauptstadt Havanna mit 2,2 Mio. Menschen und einer Million Polizisten.
Alexej ist Ingenieur für [...]

Flamenco in El Paso auf La Palma
June 23rd, 2010

Nachtrag:

Vor dem Beginn meiner Reise konnte ich auf La Palma in El Paso ein Flamenco-Konzert besuchen. Leider haben nach kurzer Zeit die Akkus des mir noch wenig vertrauten Fotoapparates den Geist aufgegeben, dabei war das, was ich gesehen und gehört habe so wertvoll, dass ich die bescheidenen Aufnahmen gerne präsentieren möchte.
Es gibt ausserdem noch einen [...]

Drachenbefreier gesucht
June 23rd, 2010

Auch ein Hafen sollte ein Warte­zimmer haben. Vielleicht so, wie in einem Bahn­hof. Man kauft sich ein Ticket, setzt sich und wartet, bis es Zeit für die Abfahrt ist.
Aber in Häfen gibt es nur schwarze Bretter mit Zetteln, die meisten davon älteren Datums. Neben Verkaufsangeboten von Schiffen und deren Teile finde ich einige Gesuche für [...]

“Funky Jesus”
May 24th, 2010

Heute fahre ich mit „Sweetness“. Ich bin zufrieden mit ihm. Er kutschiert seinen Kleinbus entspannt, macht nur selten von der Hupe Gebrauch und beschleunigt nicht unnötig.
Gestern bin ich „Dr. No“ in die Hände gelaufen, der war mir zu laut, wollte mir ständig alle möglichen Dienste anbieten. Von „Ninja-Man“ habe ich gehört. Er soll ein guter [...]

Le Grand Bleu
May 11th, 2010

Über dem Kapitän sind nur die Äpfel. Andere teilen ihre Kammern mit Bananen, Kohlköpfen oder Auberginen. Und mit weiteren 44 Männern und Frauen an Bord.
Damit die Roald Amundsen segeln kann, braucht sie immer eine Hand der Wachhabenden. Die Besatzung ist deshalb in drei Wachen eingeteilt. Null bis vier, vier bis acht und dann noch eine [...]

Regel. Ausnahme,
March 30th, 2010

Nur noch einige wenige Tage. Es sind die schlimmsten. Noch nicht weg, aber auch nicht mehr richtig da. Klar, freu ich mich. Und ja, es ist eine so richtige Entscheidung. Dem stimmen immer alle zu. Aber nur ich gehe, die anderen bleiben.

Jetzt also Weltreise. Ich hatte versucht, das große Wort zu mildern, indem ich zwischen [...]